Oder Georg Forster
Im Niemandsland zwischen Paris und Preußen
Aus der Dachkammer in der Rue des Moulins
Sieht er die Guillotine im Schneetreiben
Das Blutgerüst sein letzter Freiheitsbaum
Der ihm blüht in den Fiebernächten
Zwischen Südsee und Antarktis im Sturm
Die Revolution ist ein Orkan Wer kann ihn hemmen
Erinnerung an den Morgen vor Tahiti
Palmen in der Brandung und Gesang an den Ufern
Unterm Kreuz des Südens und den Segeln Cooks
Polynesische Trommeln und Feuer am Strand
Schatten an der Wand in den schlaflosen Nächten
Während die Verzweiflung in den Eingeweiden wühlt
Ich schreibe was ich nicht mehr glaube
Und werde langsam aus der Welt gemartert
Mit Schmerzensgestäng-und Krummzapfenmusik
Mit Opium und Briefen aus Deutschland
Im Lehnstuhl am kalten Kamin Im nächtlichen Angstschweiß
Greifend nach den verbrannten Träumen
Die durch das Zimmer torkeln wie Vögel aus Asche
Die Tyrannei der Vernunft Die eisernste von allen
Die eine Hölle schaffen wird für die Menschheit
Am Rand des Wahnsinns schreibend bis zuletzt
Briefe über eine siegreiche Revolution
Die ihre Kinder frißt Eins nach dem andern
Gott bewahre uns vor dem Mißbrauch der Worte
Aber Gott wohnt nicht mehr in Frankreich
Briefe an eine gleichgültige Nachwelt
Bis ihm die Feder in die Asche fällt
2004